Mit diesen Fragen müssen Sie in einem BEM-Gespräch rechnen

Im BEM-Gespräch wird überprüft, ob ein typischerweise gefährdeter Arbeitsplatz gerettet werden kann. Das BEM-Gespräch ist ein Anti-Kündigungsgespräch. Diagnosen oder Krankheitsursachen dürfen im BEM-Gespräch nicht abgefragt werden. Auf derartige Fragen muss der Beschäftigte nicht antworten und er sollte es auch nicht tun. In der Kanzlei werde ich häufig gefragt, welche Fragen aber soll ich beantworten?

Aus meiner Sicht sind es nur zwei Fragen:

Frage Nummer 1:

Lieber Beschäftigter, hat deine Arbeitsunfähigkeit aus deiner Sicht etwas zu tun mit dem Arbeitsplatz?

Die meisten Arbeitnehmer verneinen diese Frage. Das aber ist ein Fehler, jedenfalls aus rechtlicher Sicht. Hat meine Arbeitsunfähigkeit nämlich nichts zu tun mit meinem Arbeitsplatz, so kann der Arbeitgeber auch nichts für mich tun, um den Arbeitsplatz zu retten. Aus rechtlicher Sicht sollte der Arbeitnehmer die Frage daher bejahen. Natürlich ist der Arbeitgeber nicht Ursache einer Arbeitsunfähigkeit. Wohl aber, und das ist in der Praxis häufig, verschlimmert der Arbeitsplatz eine bereits eingetretene Arbeitsunfähigkeit. Die Antwort also lautet: ja!

Frage Nummer 2:

Können wir aus Deiner Sicht, lieber Beschäftigter, etwas für dich tun, damit du wieder arbeiten kommst. Um Heilung geht es nicht im BEM-Gespräch. Niemand wird gesund gemacht durch das BEM-Gespräch, wohl aber kann ein Arbeitsplatz gerettet werden, vielleicht auch mit Hilfe von außen. Die Antwort auf die zweite Frage lautet klugerweise deshalb:

Ja, lieber Arbeitgeber, ich habe dir etwas mitgebracht, nämlich einen bunten Strauß an Vorschlägen. Hintergrund dieser Antwort ist, dass der Arbeitgeber im BEM-Gespräch wenig Pflichten hat. Eine Pflicht aber hat er und die muss er ernst nehmen: Vorschläge, die ich unterbreite oder durch den Betriebsrat unterbreiten lasse, muss der Arbeitgeber prüfen. Will er sie nicht umsetzen, muss er meine Vorschläge begründet ablehnen. Nicht immer gelingt ihm das. Macht der Arbeitgeber schwere Fehler im BEM-Gespräch, und das ist in der Praxis immer noch die Regel, so gilt das BEM-Gespräch als nicht ordnungsgemäß durchgeführt.

Ist das BEM-Gespräch aber unterlassen worden, oder ist es schwer fehlerhaft durchgeführt worden, so ist zwar nicht die krankheitsbedingte Kündigung vom Tisch, wohl aber ist sie wesentlich erschwert.

Übrigens, ganz allein sollten Sie das BEM-Gespräch nicht durchstehen. Sie können eine Person Ihres Vertrauens mit ins Gespräch nehmen und ganz sicher sollten Sie sich der Hilfe des Betriebsrats vergewissern. Der Betriebsrat nämlich ist gesetzlicher Beteiligter im BEM-Gespräch. Der Betriebsrat wird Ihnen helfen.