Kündigungsgrund Fettleibigkeit - Was Arbeitnehmer und Betriebsräte tun können

Etwas Gemeineres mag man sich überhaupt nicht ausdenken:

Da kündigt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer, weil der fettleibig sei. Krankhaft fettleibig, wie der Arbeitgeber behauptet. Lachen Sie nicht, diesen Fall hat es tatsächlich gegeben. Aber Sie und ich, wir sind uns einig, natürlich wird der Arbeitgeber juristisch Schiffbruch erleiden mit diesem Kündigungsansinnen - oder?

Ganz so einfach ist das nicht zu beantworten.
Natürlich gibt es keinen Kündigungsgrund Fettleibigkeit. Wohl aber gibt es eine krankheitsbedingte Kündigung und wenn die Fettleibigkeit mit einer Krankheit einher ginge, was so sein kann, aber nicht sein muss, dann könnte der Arbeitgeber sehr wohl die Kündigung erteilen, wenn nämlich eine negative Gesundheitsprognose besteht, wenn es Betriebsablaufstörungen, zum Beispiel durch häufige Fehlzeiten gibt und wenn die sogenannte Interessenabwägung, die der Arbeitgeber vorzunehmen hat, zu seinen Gunsten ausginge. Oftmals erleidet er damit Schiffbruch. So geschehen neulich vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf.

Da wollte der Arbeitgeber einen Gärtner, offensichtlich übergewichtig dieser Gärtner, loswerden, mit der Begründung:

"Du schaffst ja wegen deiner Fettleibigkeit deine Aufgaben gar nicht mehr!"

Das Gericht sah das anders. Der Gärtner war zwar dick, aber er sei ein fitter Dicker.
Die krankheitsbedingte Kündigung war damit vom Tisch. Denkbar wäre auch, dass die Fettleibigkeit mit einer Behinderung einhergeht. Dann, Sie wissen das, ist die Kündigung noch viel schwieriger. Bei der Kündigung eines Schwerbehinderten muss zuvor das Integrationsamt vom Arbeitgeber um Zustimmung ersucht werden. Gegen die Erteilung dieser Zustimmung kann der Arbeitnehmer noch einmal vorgehen, nicht nur vor dem Arbeitsgericht, gegen die Kündigung nämlich, sondern auch vor dem Verwaltungsgericht gegen die Zustimmung zur Erteilung der Kündigung. Andere Anwälte wären vielleicht ein bisschen vorsichtiger als ich.

Ich sage hier ganz sportlich:

Die Kündigung wegen Fettleibigkeit kann der Arbeitgeber im Ergebnis vergessen.

Und jetzt hab ich noch einen frommen Wunsch, als Rechtsanwalt, der auch ein paar Pfunde zu viel hat:

Könnten wir aufhören einander zu beurteilen, nach unserem Gewicht und nach unserem Aussehen?

Dafür können auch Sie als Betriebsrat übrigens einiges tun.

Sie wissen es:

Sie müssen sich jeder Benachteiligung in den Weg stellen, insbesondere einer Benachteiligung wegen Aussehens oder gar wegen einer Behinderung.

Und jetzt wünsche ich Ihnen guten Appetit!