Ist Public Viewing im Büro eine Privatveranstaltung?

Relevant ist diese Frage hinsichtlich zweier arbeitsrechtlicher Aspekte:

Erstens müssen wir uns anschauen die Verhaltensgrundsätze bei einer solchen Public Viewing Veranstaltung im Büro und zweitens ist natürlich fraglich, ob hier Versicherungsschutz besteht für die einzelnen Arbeitnehmer.

Kümmern wir uns um den ersten Punkt:

Die Verhaltensgrundsätze gelten hier weiterhin fort, die auch sonst auf der Arbeit gelten. Also man muss seinen arbeitsvertraglichen Verpflichtungen nachkommen und zwar auch seinen Nebenpflichten aus dem Arbeitsverhältnis und dementsprechend angemessen seine Mitarbeiter und auch seine Vorgesetzten behandeln. Wenn es zu Beleidigungen, Pöbeleien oder auch handgreiflichen Übergriffen kommt oder sexuellen Belästigungen dann ist das natürlich weiterhin genauso arbeitsrechtlich zu ahnden, mit Abmahnungen bis hin zu Kündigungen, wie wenn es sich um normale Arbeitszeit handeln würde. Natürlich würden die Gerichte die gelockerte Atmosphäre berücksichtigen und sich den Einzelfall anschauen, aber grundsätzlich ist es hier genauso, wie auch sonst auf der Arbeit. Der zweite Punkt ist auch interessant, da geht's um den Versicherungsschutz.

Sind die Arbeitnehmer denn bei einem Public Viewing oder Betriebsviewing, wie ich's vielleicht nennen will, überhaupt versichert?

Grundsätzlich ja. Das ist auch wie bei einer Weihnachtsfeier. Eine solche Veranstaltung ist auch versicherungstechnisch abgedeckt über die berufsgenossenschaftliche Versicherung, allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So muss ein angemessener Gemeinschaftszweck vorhanden sein, also der Zweck dieses Public Viewing muss es sein, dass man die betriebsinterne Stimmung bessert, dass man quasi für den Gemeinschaftssinn sensibilisiert, dass das quasi wie eine Teambildungsmaßnahme ist, wie eben bei einer Weihnachtsfeier auch.

Darüber hinaus muss dieses Public Viewing auch für jeden Arbeitnehmer zugänglich sein. Also es dürfen nicht bestimmte Arbeitnehmer ausgeschlossen sein, dann handelt es sich nicht um eine betriebliche Veranstaltung, wie eine Weihnachtsfeier auch, wo eben Versicherungsschutz besteht. Es ist auch wichtig, dass die Unternehmensleitung oder ein Beauftragter des Unternehmens anwesend ist, damit das diesen offiziellen Charakter hat. Auch dann ist der Versicherungsschutz jedenfalls gegeben.

Zeitpunkt und Ort der Veranstaltung sind übrigens nicht relevant für den Versicherungsschutz. Das heißt, man kann so ein betriebliches Public Viewing auch außerhalb der Betriebsstätte durchführen. Bspw. in einem Restaurant, einer Sportsbar oder einer Kneipe, wie es früher hieß. Und die Wege zu dieser Veranstaltung sind auch mit versichert. Und zwar ist das wie ein Dienstweg zu beurteilen, wenn man von der Arbeitsstätte zu dem Public Viewing geht, wenn das außerhalb ist. Der Weg nach Hause ist dann wie Wegezeit, keine Arbeitszeit, aber vom Versicherungsschutz gedeckt. Zumindest, wenn man den direkten nach Hause Weg wählt und nicht den Umweg über eine weitere Kneipe. Also ihr seht, ihr könnt euer betriebliches Fußballviewing vollends genießen und müsst euch keine Sorgen machen.