Mobbing am Arbeitsplatz

    Nach der Definition des Bundesarbeitsgerichts ist Mobbing am Arbeitsplatz das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte.

    Somit ist Folgendes unter Mobbing zu verstehen:

    Mobbing ist ...

    • eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der
    • die angegriffene Person unterlegen ist und
    • von einer oder mehreren Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird
    • mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßens
    • und die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt.

    Diese Handlungen haben oftmals negative Auswirkungen auf das Arbeits- und Leistungsverhalten der Betroffenen. Es kommt häufig zu ernsthaften Erkrankungen; im schlimmsten Fall ist der einzige Ausweg die Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

    Hilfe für den Betriebsrat

    Wie erkennt man Mobbing am Arbeitsplatz?

    Ob und wann Mobbing definitiv vorliegt, hängt von der Einschätzung des Einzelfalls ab. Es müssen Handlungen vorliegen, die über das im gesellschaftlichen Umgang allgemein Übliche hinausgehen und es muss systematisches Handeln mit der Zielrichtung, die Rechte des Betroffenen zu beeinträchtigen, vorliegen.

    Wie kann Mobbing nachgewiesen werden?

    Der Mobbing-Report „Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland” gibt an, dass aktuell 2,7% also über 800.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Mobbing betroffen sind. Hochgerechnet auf die Dauer eines Erwerbslebens wird etwa jede 9. Person im erwerbsfähigen Alter mindestens einmal im Verlauf des Arbeitslebens gemobbt.

    Beschäftigte in sozialen Berufen wie auch Verkaufspersonal tragen der Studie zufolge ein sehr hohes Mobbingrisiko. Mobber sind in mehr als der Hälfte der Fälle direkte Vorgesetzte, Mobbingopfer sind vorwiegend Frauen.

    Angesichts dieser Zahlen und der oft weit reichenden Folgen für die Betroffenen - bis hin zum Selbstmord wie bei einer Münchner Polizeibeamtin - müssen Betroffene, Betriebsräte wie auch Arbeitgeber offensiv an das Problem herangehen.

    Der Arbeitgeber hat aufgrund seiner Fürsorgepflicht Maßnahmen zu unterlassen, die geeignet sind, die Gesundheit der Arbeitnehmer zu beeinträchtigen und ihm bekannt gewordene Mobbingfälle am Arbeitsplatz zu unterbinden.

    Auswirkungen

    Zusammen mit der Angst um den Job steigt die Zahl der Mobbingopfer!

    Rund 1,5 Millionen Menschen allein in Deutschland erleben jeden Tag Psychoterror am Arbeitsplatz. Viele dieser Betroffenen, aber auch Vorgesetzte und Kollegen, stehen oftmals hilflos vor diesem Problem.

    Mobbing wirkt sich nicht nur negativ auf die Arbeitsleistung, sondern auch auf die Gesundheit aus. Die Liste der Beschwerden reicht von Nervosität bis hin zu Angstzuständen und Depressionen und führt unweigerlich zu einem Verlust von Lebensqualität.

      Wie kann ich mich vor Mobbing schützen?

      Mobbingopfer müssen sich wehren!

      Oftmals kann ein klärendes Gespräch zwischen dem Betroffenen und dem Mobber schon helfen. Bisweilen ist sich der Täter seiner Wirkung gar nicht bewusst. Den Betroffenen steht ein Beschwerderecht zu. Sie haben gegen den mobbenden Kollegen oder Vorgesetzten Anspruch auf Unterlassung der Schikanen. Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche können geltend gemacht werden. Problematisch kann natürlich in diesen Fällen die Beweisbarkeit der Verletzungshandlung sein. Die Beweislast trägt nämlich das Opfer.

      Von Mobbing betroffene Arbeitnehmer können den mobbenden Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Arbeitgeber gezielt auf die Mobbinghandlungen ansprechen. Es empfiehlt sich für das Mobbing-Opfer, den Arbeitgeber frühzeitig zu informieren, da dies teilweise Voraussetzung für die Geltendmachung der nachfolgend dargestellten Ansprüche ist. Möglicherweise gibt es betriebliche Interventionsstrategien – beispielsweise aufgrund einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung -, die nutzbar gemacht werden können (Konfliktmanagement). Außerbetrieblich könnte zur Eindämmung der Mobbinghandlung eine Mediation stattfinden.

      Möglichkeiten für Betroffene

      Betroffene Beschäftigte haben eine Reihe von rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen Mobbing zu wehren.

      Das sind im Einzelnen:

      • das Beschwerderecht (Näheres siehe unten)
      • Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche
      • das Leistungsverweigerungsrecht
      • die außerordentliche Eigenkündigung
      • der Abschluss eines Aufhebungsvertrages

      Des Weiteren haben Mobbingopfer die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche aufgrund von Mobbing und der daraus hervorgegangenen Konsequenzen geltend zu machen.

      Das Beschwerderecht

      In welcher Form und bei wem können sich betroffene Arbeitnehmer im Falle von Mobbing beschweren?

      Arbeitnehmern steht in Betrieben des privaten Rechts zunächst die Möglichkeit offen, sich bei der im Betrieb für Mobbing zuständigen Stelle zu beschweren, wenn sie sich vom Arbeitgeber oder von anderen Arbeitnehmern des Betriebes benachteiligt oder ungerecht behandelt oder in sonstiger Weise beeinträchtigt fühlen (§ 84 BetrVG). Dieses Recht besteht unabhängig von der Existenz eines Betriebsrats. Zuständig für Mobbingfälle ist im Zweifel der unmittelbare Vorgesetzte. Bleibt die Beschwerde wegen Mobbings erfolglos, können sie sich an den Arbeitgeber wenden. Formen und Fristen für die Beschwerde wegen Mobbings gibt es nicht. Sie können ein Mitglied des Betriebsrats als Person Ihres Vertrauens hinzuziehen (§ 84 Abs. 1 Satz 2 BetrVG).

      Besteht ein Betriebsrat, so haben die Arbeitnehmer die Möglichkeit, diesen einzuschalten. Der Betriebsrat ist verpflichtet, die Mobbing-Beschwerde entgegenzunehmen und, falls er sie für berechtigt erachtet, beim Arbeitgeber auf Abhilfe hinzuwirken (§ 85 Abs. 1 BetrVG). Erkennt der Arbeitgeber die Beschwerde an oder geschieht dies auf Betreiben des Betriebsrats, so erwerben die Arbeitnehmer hierdurch einen durchsetzbaren, vor dem Arbeitsgericht einklagbaren Anspruch auf Abhilfe. Dort wo es Gleichstellungs- oder Frauenbeauftragte gibt, können auch diese eingeschaltet werden.

      In Betrieben des öffentlichen Dienstes ergibt sich das Beschwerderecht gegenüber dem Personalrat aus dem Bundespersonalvertretungsgesetz (§ 68 Abs. 1 Nr. 3 BPersVG) bzw. den entsprechenden Bestimmungen der Landespersonalvertretungsgesetze. Soweit ein schwerbehinderter Arbeitnehmer betroffen ist und eine Schwerbehindertenvertretung besteht, kann auch diese eingeschaltet werden.

          Neue Rechte bei Mobbing - Das muss der Betriebsrat jetzt wissen

          Das Mobbing-Tagebuch

          Ein Mobbing-Tagebuch zu führen macht Sinn, denn die Beweislast bei Mobbing ist schwierig. Die Gerichte erkennen die Mobbing-Tagebücher mittlerweile an, wenn Sie konsequent, tagtäglich geführt werden.

          Das Tagebuch sollte enthalten:

          • Was ist vorgefallen?
          • Datum, Uhrzeit
          • Wer hat gehandelt?
          • Äußere Bedingungen/Umstände
          • Zweck und Angriffsziel (z.B.: meine Person, die Zusammenarbeit, meine Selbstachtung, mein Wohlbefinden, mein soziales Ansehen, meine Arbeit und Leistungsfähigkeit)
          • Ist ein bestimmter Anlass/eine tiefer liegende Ursache zu erkennen?
          • Welche Gefühle oder körperliche/emotionale Reaktionen wurden bei mir ausgelöst? (Wut, Hilflosigkeit, Blutdruck, Herzrasen, …)
          • Wie habe ich auf den Vorfall reagiert (Handlung)?
          • Gibt es Zeugen oder Beweise? Wer oder was hat mich unterstützt?

          Das Tagebuch sollte nicht enthalten:

          • persönliche Wertungen
          • Vermutungen oder Unterstellungen
          • Verallgemeinerungen
          • Beschimpfungen, soweit sie nicht vom ursprünglich Handelnden geäußert wurden

          Was kann der Betriebsrat gegen Mobbing tun?

          In Betrieben mit Arbeitnehmervertretung ist der Betriebs- oder Personalrat gefragt. Betriebsräte haben darauf zu achten, dass die Rechte der Beschäftigten im Betrieb beachtet werden, insbesondere dass alle im Betrieb beschäftigten Personen nach Recht und Billigkeit behandelt werden (§ 75 BetrVG). Der Arbeitgeber ist gezielt auf Mobbingfälle hinzuweisen, die Unterbindung des Mobbings muss gefordert und notfalls gerichtlich erwirkt werden. Es empfiehlt sich auch der Abschluss einer Betriebsvereinbarung, nebst Einrichtung einer innerbetrieblichen Beschwerdestelle. Das Thema eignet sich auch gut für eine Betriebsversammlung, wenn vermehrt Fälle im Betrieb bekannt werden.

          Ein Kollege wird ständig gemobbt - Was kann der Betriebsrat dagegen tun?

          Wir helfen Ihnen als Betriebsrat bei der Behandlung von Mobbingfällen!

          Die W.A.F. berät und unterstützt Sie als Betriebsrat bei Ihren Aufgaben. Nennen Sie uns Ihr Problem und wir nehmen für Sie Kontakt zu einem Sachverständigen auf. Die Vermittlung ist für Sie kostenlos.

          Rufen Sie uns unter 08158 99720 einfach an!

          Haftung bei Mobbing am Arbeitsplatz

          Erst kürzlich wurde vom Petitionsausschuss die Petition, Mobbing als Straftatbestand aufzunehmen, abgelehnt. Mobbing ist als Körperverletzung, Verleumdung oder Beleidigung bereits hinreichend durch die allgemeinen Straftatbestände sanktioniert. In den letzten Jahren hat sich die Rechtsprechung vermehrt mit dem Problem beschäftigt.

          Mobbing-Fälle aus der Rechtsprechung

          • Mobbt ein Mitarbeiter andere Arbeitnehmer, so kann diesem sogar die fristlose Kündigung ohne Abmahnung drohen, je nach Schwere der Verletzungshandlungen. Der Mobber beeinträchtigt den Betriebsablauf, verursacht bei Erkrankung des Opfers auch messbaren finanziellen Schaden und muss bei einem solchen Verhalten mit der Beendigung seines Arbeitsverhältnisses rechnen (LAG Thüringen Urteil vom 15.02.02 - 5 Sa 102/00).
          • Mobbingopfer haben grundsätzlich Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn andere Wiedergutmachungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen. Bei der Bemessung ist Art und Schwere der Mobbinghandlung Grundlage für die Bemessung, nicht jedoch die Höhe des monatlichen Einkommens (LAG Rheinland-Pfalz vom 16.08.2001 - 6 Sa 415/01).
          • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers zu schützen. In einer nicht arbeitsvertragsgemäßen Beschäftigung - hier Zuweisung von Sachbearbeitertätigkeiten bei einem leitenden Angestellten - kann eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts liegen. Gegen eine solche Versetzung kann sich der Arbeitnehmer im Wege der einstweiligen Verfügung wehren. (LAG Thüringen vom 10.04.2001 - 5 Sa 403/00)
          • Für Schwangere gilt ein Beschäftigungsverbot bei nachgewiesenem Mobbing, wobei der Nachweis von der Klägerin zu erbringen ist. (BAG vom 21.03.01 - 5 AZR 325/99)

          Typische Mobbinghandlungen

          • Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das Leistungsvermögen
          • Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnisses
          • Destruktive Kritik
          • Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz
          • Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf
          • Angriffe gegen das Selbstwertgefühl
          • Angst, Schreck und Ekel erzeugen
          • Angriffe gegen die Privatsphäre
          • Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit
          • Versagen von Hilfe

          Weitere Beispiele für Mobbing

          • Ständige unberechtigte Kritik an der Arbeit
          • Einschränkung der Möglichkeiten, sich zu äußern
          • Kontaktverweigerung (soziale und/oder räumliche Isolation), man "wird wie Luft" behandelt
          • Ständige Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachreden (Verbreitung von Gerüchten), lächerlich machen (Abqualifizierung durch Vorgesetzte vor Kollegen)
          • Ständige sexuelle Annäherungen und/oder verbale sexuelle Angebote
          • Art und Inhalt der Zuweisung von Arbeiten (es wird immer die schlechteste Arbeit zugewiesen, sinnlose Arbeiten werden zugewiesen, nur Problemfälle werden zugewiesen, Zuweisung gesundheitsschädlicher Arbeiten)
          • Androhung oder gar Ausführung körperlicher Gewalt/körperlicher Misshandlung

          Weiterbildung

          Mobbing ist ein komplexes und wichtiges Thema. Daher ist es wichtig, gut ausgerüstet zu sein, um den Herausforderungen souverän begegnen zu können.

          Seminare zum Thema Mobbing & Diskriminierung