Hilfe für Betroffene

Wie können sich Arbeitnehmer gegen Mobbing zur Wehr setzen?

Von Mobbing betroffene Arbeitnehmer können den mobbenden Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Arbeitgeber gezielt auf die Mobbinghandlungen ansprechen. Es empfiehlt sich für das Mobbing-Opfer, den Arbeitgeber frühzeitig zu informieren, da dies teilweise Voraussetzung für die Geltendmachung der nachfolgend dargestellten Ansprüche ist. Möglicherweise gibt es betriebliche Interventionsstrategien – beispielsweise aufgrund einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung -, die nutzbar gemacht werden können (Konfliktmanagement). Außerbetrieblich könnte zur Eindämmung der Mobbinghandlung eine Mediation stattfinden.

Darüber hinaus haben betroffene Beschäftigte eine Reihe von rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen Mobbing zu wehren.

Das sind im Einzelnen:

  • das Beschwerderecht (Näheres siehe unten)
  • Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche
  • das Leistungsverweigerungsrecht
  • die außerordentliche Eigenkündigung
  • der Abschluss eines Aufhebungsvertrages

Des Weiteren haben Mobbingopfer die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche aufgrund von Mobbing und der daraus hervorgegangenen Konsequenzen geltend zu machen.

In welcher Form und bei wem können sich betroffene Arbeitnehmer im Falle von Mobbing beschweren?

Arbeitnehmern steht in Betrieben des privaten Rechts zunächst die Möglichkeit offen, sich bei der im Betrieb für Mobbing zuständigen Stelle zu beschweren, wenn sie sich vom Arbeitgeber oder von anderen Arbeitnehmern des Betriebes benachteiligt oder ungerecht behandelt oder in sonstiger Weise beeinträchtigt fühlen (§ 84 BetrVG). Dieses Recht besteht unabhängig von der Existenz eines Betriebsrats. Zuständig für Mobbingfälle ist im Zweifel der unmittelbare Vorgesetzte. Bleibt die Beschwerde wegen Mobbings erfolglos, können sie sich an den Arbeitgeber wenden. Formen und Fristen für die Beschwerde wegen Mobbings gibt es nicht. Sie können ein Mitglied des Betriebsrats als Person Ihres Vertrauens hinzuziehen (§ 84 Abs. 1 Satz 2 BetrVG).

Besteht ein Betriebsrat, so haben die Arbeitnehmer die Möglichkeit, diesen einzuschalten. Der Betriebsrat ist verpflichtet, die Mobbing-Beschwerde entgegenzunehmen und, falls er sie für berechtigt erachtet, beim Arbeitgeber auf Abhilfe hinzuwirken (§ 85 Abs. 1 BetrVG). Erkennt der Arbeitgeber die Beschwerde an oder geschieht dies auf Betreiben des Betriebsrats, so erwerben die Arbeitnehmer hierdurch einen durchsetzbaren, vor dem Arbeitsgericht einklagbaren Anspruch auf Abhilfe. Dort wo es Gleichstellungs- oder Frauenbeauftragte gibt, können auch diese eingeschaltet werden.

In Betrieben des öffentlichen Dienstes ergibt sich das Beschwerderecht gegenüber dem Personalrat aus dem Bundespersonalvertretungsgesetz (§ 68 Abs. 1 Nr. 3 BPersVG) bzw. den entsprechenden Bestimmungen der Landespersonalvertretungsgesetze. Soweit ein schwerbehinderter Arbeitnehmer betroffen ist und eine Schwerbehindertenvertretung (§ 95 Abs. 1 Nr. 3 SGB IX) besteht, kann auch diese eingeschaltet werden.

Wir helfen Ihnen als Betriebsrat bei der Behandlung von Mobbingfällen!

Die W.A.F. berät und unterstützt Sie als Betriebsrat bei Ihren Aufgaben. Nennen Sie uns Ihr Problem und wir nehmen für Sie Kontakt zu einem Sachverständigen auf. Die Vermittlung ist für Sie kostenlos. Rufen Sie uns unter 08158 99720 einfach an!

    Ein Kollege wird ständig gemobbt - Was kann der Betriebsrat dagegen tun?

    Mobbing-Tagebuch

    Nach allgemein anerkannter Definition ist Folgendes unter Mobbing zu verstehen: Mobbing ist:

    • eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der
    • die angegriffene Person unterlegen ist und
    • von einer oder mehreren Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird
    • mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßens
    • und die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt.

    Das Tagebuch sollte enthalten:

    • Was ist vorgefallen?
    • Datum, Uhrzeit
    • Wer hat gehandelt?
    • Äußere Bedingungen/Umstände
    • Zweck und Angriffsziel (z.B.: meine Person, die Zusammenarbeit, meine Selbstachtung, mein Wohlbefinden, mein soziales Ansehen, meine Arbeit und Leistungsfähigkeit)
    • Ist ein bestimmter Anlass/eine tiefer liegende Ursache zu erkennen?
    • Welche Gefühle oder körperliche/emotionale Reaktionen wurden bei mir ausgelöst? (Wut, Hilflosigkeit, Blutdruck, Herzrasen, …)
    • Wie habe ich auf den Vorfall reagiert (Handlung)?
    • Gibt es Zeugen oder Beweise? Wer oder was hat mich unterstützt?

    Das Tagebuch sollte nicht enthalten:

    • persönliche Wertungen
    • Vermutungen oder Unterstellungen
    • Verallgemeinerungen
    • Beschimpfungen, soweit sie nicht vom ursprünglich Handelnden geäußert wurden